Reform der THG-Quote kommt zu spät – mit Folgen für THG-Prämien und Klima
Was hat die EU-Richtlinie RED III damit zu tun?
Was viele nicht wissen: Die THG-Quote ist keine reine deutsche Erfindung, sondern sie geht auf Vorgaben der Europäischen Union zurück. Die EU hat im Rahmen ihrer Klimapolitik die sogenannte RED III beschlossen: Das ist die dritte Version der „Renewable Energy Directive“, also der Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien. In der RED III ist genau geregelt, welchen Anteil erneuerbarer Energien jeder Mitgliedstaat in verschiedenen Sektoren erreichen muss. Deutschland muss diese RED III in nationales Recht umsetzen.
Reform auf den letzten Drücker – zu spät für den Markt
Aktuell liegt nur ein erster Entwurf für eine Gesetzesänderung vor, obwohl die RED III auf EU-Ebene bereits beschlossen wurde und Deutschland sie eigentlich bis spätestens 2025 umsetzen müsste. Erst Mitte Juni kam der Entwurf und geplant ist nun, dass das Bundeskabinett im Oktober 2025 darüber entscheidet und der Bundestag ihn am 18. Dezember erstmals diskutiert.
Zwei Jahre Stillstand – mit Folgen für den Markt
Das schafft ein langes Zeitfenster der Unsicherheit, mit spürbaren Folgen für alle Marktakteure. Für Unternehmen, die im THG-Quotenhandel aktiv sind, bedeutet die Verzögerung vor allem eines: Über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren herrscht Unklarheit darüber, welche Quotenhöhe und Rahmenbedingungen künftig gelten wird.
Wie sich die Quotenpreise entwickeln könnten
Kurzfristig kann die zunehmende Gewissheit, dass der gesetzliche Zeitplan nicht mehr eingehalten werden kann, zu sinkenden Preisen führen. Diese Unsicherheit führt zu Zurückhaltung: Anbieter verkaufen vorsorglich frühzeitig, während Käufer abwarten.
Mittelfristig ist ein deutlicher Preisanstieg durchaus möglich, wenn das Gesetz ambitioniert umgesetzt wird und schließlich in Kraft tritt. Der aktuelle Entwurf enthält mehrere strukturell wirksame Maßnahmen, die den Markt langfristig stabilisieren und die Qualität der eingesetzten Quoten nachhaltig verbessern könnten.
Schutz vor Spekulationen und Betrug: Automatische Quotenanpassung
Ein besonders zentraler und wichtiger Bestandteil des aktuellen Gesetzesentwurfs ist die Einführung einer automatischen Quotenanpassung. Sie soll gezielt verhindern, dass es durch Manipulationen oder spekulative Überhänge zu Marktverzerrungen kommt.
Fazit: Ein weiteres Jahr des Stillstands?
Der weitere Verlauf der THG-Quotenpreise hängt entscheidend davon ab, wie schnell und entschlossen die Politik jetzt handelt. Wird das Gesetz noch im Jahr 2025 beschlossen, ambitioniert ausgestaltet und rechtlich sauber geregelt, steigen die Chancen auf stabile und verlässliche Quotenpreise.
Doch aktuell deutet vieles darauf hin, dass eine wirksame Umsetzung der RED III zum 1. Januar 2026 kaum noch realistisch ist. Wenn das System seine Steuerungswirkung nicht vollständig verlieren soll, braucht es jetzt ein klares politisches Signal.
